
Afrikanische Reise III, 1984, Bronze, 45 × 90 × 14,5 cm, WV-Nr.: 229
„Mit rund 50 Titeln bilden Arbeiten nach Reisemotiven einen
bemerkenswerten und herausragenden Anteil des
Werkverzeichnisses.“ In den 60er Jahren waren das 13
Plastiken hach Reisen nach Usbekistan, Sibirien und in die
Mongolei, in den 80er Jahren 15 Plastiken nach Reisen nach
Äthiopien und in den 90er Jahren nach Schiffreisen nach Sri
Lanka und Indien.
„Er (Jastram W. K.) erläuterte es am Beispiel des Sitzens,
in dem er das ‚förmliche‘ anerzogene Sitzen des Europäers …
mit dem ‚wirklichen‘ Sitzen der Asiaten verglich, deren
‚völlig unbekümmertes und natürliche Art‘ Hockens, Sitzens
und Kauerns, wie sie etwa ganz locker in den Sätteln ihrer
Pferde hängen und doch wie die Wilden ritten. … Der Künstler
wies später einmal auf einen wichtigen Aspekt seiner
‚Reisemotive‘ hin, denn der ganze klassische Formenkanon
seit der Renaissance, dem Klassizismus bis hin zu Adolf
Hildebrandt am Anhang des 20. Jahrhunderts, jenes
eingespielten System aus Gesten, sei so in uns (den
Bildhauern, K. T.) drin, dass es wahnsinnig schwer fällt, zu
erkennen, wie sich das Leben wirklich verhält und verweist
auf Picasso, Matisse und die deutschen Expressionisten mit
ihrer Hinwendung zur außereuropäischen Kunst der sogenannten
Primitiven. Denen sei es gelungen, jenseits des klassischen
Formenkanons wieder echte Lebensfiguren zu finden.“ Klaus
Tiedemann in: Jo Jastram – Das plastische Werk.
Werkverzeichnis
Die Reisen haben wesentlich das plastische Werk Jo Jastrams
geprägt und entscheidend geholfen, sich von der formellen
Doktrin des verordneten „sozialistischen Realismus“ zu
lösen. Damit wurde er hoch im Norden der DDR, fern der
eigentlichen Kunstzentren, wie Berlin, Halle, Dresden oder
Leipzig ein einflussreicher Wegbereiter für eine auf die
Gesetze der Bildnerei konzentrierte figurative Plastik im
Widerspruch zu den politischen Doktrinen des sozialistischen
Realismus, auch als Lehrender in Greifswald und in
Berlin-Weißensee.

Schreiender Hengst I, 1986, Bronze, 241 × 292 × 51cm, WV-Nr.:
253
Das Pferd und der Kranich sind Jastram bevorzugte
Tiermotive, Tiere, die er auf den Bauernhöfen seiner
Verwandten, auf deren Weiden und in deren Ställen erlebte,
nicht die exotischen aus der Fremde.
„…und ich habe dadurch
ein nicht ausgedachtes Verhältnis zu Tieren auf dem Lande
gehabt, in Sonderheit zum Pferd, und zu den
Kranichen, den Vögeln des Nordens.“ Jo Jastram

Gestürztes Pferd, 1970, Bronze, 45,5 x 50 x 42 cm